06.03.26 –
Landkreis Oberallgäu - Seit 2009 setzt der Landkreis als einziger in Bayern auf ein flächendeckendes Netzwerk von Familienbeauftragten in seinen Gemeinden. Ziel ist es, Familien wohnortnah zu unterstützen, Hemmschwellen abzubauen und die Themen Familie und Erziehung dauerhaft im Bewusstsein der kreisangehörigen Gemeinden zu verankern.
Familienbeauftragte sind niedrigschwellige Ansprechpartner vor Ort. Sie beraten und vermitteln an passende Beratungs- und Unterstützungsstellen. Sie organisieren Angebote, fördern Begegnung und stärken den sozialen Zusammenhalt in ihren Kommunen. Gleichzeitig fungieren sie als „soziales Frühwarnsystem“, indem sie Bedarfe frühzeitig erkennen – etwa bei Kinderbetreuung, Ganztagsangeboten oder sozialen Notlagen. Sie sind ein verbindendes Element zwischen Bürgerschaft, Vereinen, Schulen, Kitas, Verwaltung und Politik.
Seit 2021 koordiniert Antje Piekenbrock als ehrenamtliche Familienbeauftragte des Landkreises die Netzwerkarbeit. Sie organisiert regelmäßige Austauschtreffen, vernetzt die Akteurinnen und Akteure und vertritt deren Anliegen in verschiedenen Gremien. „Die Familienbeauftragten leisten eine wertvolle Arbeit. Ich erlebe ausgesprochen engagierte Familienbeauftragte, die sich mit viel Herzblut für die Familien in ihren Kommunen einsetzen“, betont Piekenbrock.
Zentrale Themen der Netzwerktreffen waren unter anderem die Aufgabenbeschreibung der Funktion sowie die Zusammenarbeit mit Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern und dem Jugendamt. In Workshops tauschten sich die Familienbeauftragten zur Familienfreundlichkeit der einzelnen Kommunen und des Landkreises sowie zu ihrer eigenen Rolle aus.
Umfrage bestätigt Bedeutung und offenbart gleichzeitig strukturelle Schwächen
Mit Blick auf die anstehende Kommunalwahl werden in einigen Gemeinden neue Familienbeauftragte bestellt. Zur Vorbereitung führte die ehrenamtliche Familienbeauftragte des Landkreises eine Umfrage unter Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern sowie unter den Familienbeauftragten durch.
Das Ergebnis: Das Amt der Familienbeauftragten wird als bedeutsam und wirkungsvoll wahrgenommen, die vielfältigen Aufgaben werden bestätigt. Zugleich zeigen sich strukturelle Unterschiede und Schwächen. In 67 Prozent der Gemeinden wird das Amt ausschließlich ehrenamtlich ausgeübt und auch die institutionelle Einbindung ist kommunal sehr unterschiedlich geregelt.
Antje Piekenbrock ist überzeugt: „Die Wirksamkeit hängt stark von klaren Strukturen, politischer Rückendeckung und verfügbaren Ressourcen ab. Ohne eine verbindliche institutionelle Verankerung besteht die Gefahr, dass das Engagement stark vom persönlichen Einsatz Einzelner abhängt, insbesondere wenn sie im Ehrenamt tätig sind. Mit gezielter Unterstützung und entsprechender Wertschätzung kann die Funktion jedoch ein zentraler Baustein einer familienfreundlichen Kommunalpolitik sein. Langfristig trägt sie zur Prävention bei, entlastet Verwaltung und Politik und stärkt die soziale Infrastruktur vor Ort“.
Klare Aufgabenbeschreibung als nächster Schritt
Derzeit liegt lediglich in einer Kommune eine verbindliche Aufgabenbeschreibung vor. Für die kommende Legislaturperiode wurde daher gemeinsam eine Orientierungshilfe erarbeitet. Sie soll den Gemeinden als Grundlage dienen und die Funktion nachhaltig stärken. Ergänzend werden Best-Practice-Beispiele sowie Handlungsempfehlungen bereitgestellt. Dazu gehören unter anderem:
• die Definition klarer Rollen- und Aufgabenprofile
• strukturierte Übergaben bei personellen Wechseln
• eine stärkere institutionelle Einbindung durch regelmäßige Abstimmungen
• gezielte Öffentlichkeitsarbeit und Vorstellungen in Bürgerversammlungen
• feste Ansprechpersonen im Landratsamt
• eine digitale Bürgerplattform mit allen familienrelevanten Informationen
Auffällig ist: 31 % der befragten Bürgermeisterinnen und Bürgermeister würden ohne Empfehlung des Landratsamtes keine Familienbeauftragten bestellen. Dies unterstreicht die zentrale Rolle des Landkreises und der künftigen Landkreisführung für die Zukunft des Netzwerks. Dessen Entwicklung hängt maßgeblich von Haltung und Prioritätensetzung der neuen Landrätin bzw. des neuen Landrats ab.
Aus Sicht der Familienbeauftragten ist es das Ziel, Familienfreundlichkeit im gesamten Landkreis strategisch zu verankern und Familien bestmöglich zu unterstützen. „Neben der notwendigen Unterstützung von Familien ist Familienfreundlichkeit ein zentraler Standortfaktor. Wer junge Familien halten und gewinnen will, braucht verlässliche Strukturen – flächendeckend und unabhängig vom individuellen Engagement Einzelner“, betont Antje Piekenbrock.
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