BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Kreisverband Kempten

Neujahrsempfang der GRÜNEN Kempten

„Kempten könnte Paris sein“ - Mobilitätsexpertin Katja Diehl zeigt Perspektiven für eine grüne Verkehrswende

16.02.26 – von Nadja Braun –

„Kempten könnte Paris sein“ - Mobilitätsexpertin Katja Diehl zeigt Perspektiven für eine grüne Verkehrswende

Was können wir von Städten wie Paris lernen und  wie lässt sich die Lebensqualität in Städten nachhaltig steigern? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Neujahrsempfangs von Bündnis 90/Die Grünen Kempten, zu dem am vergangenen Freitag über 100 Gäste gekommen waren. Als Gastrednerin skizzierte die renommierte Mobilitätsexpertin Katja Diehl, zweifache Preisträgerin des Deutschen Mobilitätspreises und Trägerin des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises, konkrete Ansätze für eine zukunftsfähige Verkehrspolitik – inspiriert von Erfolgen internationaler Vorbilder wie Paris.

Diehl, deren Bücher „Autokorrektur“ und „Raus aus der AUTOkratie“ auf der SPIEGEL-Bestsellerliste standen, verwies auf die transformative Kraft mutiger kommunaler Entscheidungen: In Paris sei es gelungen, den motorisierten Individualverkehr auf nur noch fünf Prozent der Wege zu reduzieren, während das Radwegenetz auf über 1.000 Kilometer ausgebaut und Tempo 30 flächendeckend eingeführt wurde. Die Folge: eine Halbierung der Stickstoffdioxid- und eine Reduktion der Feinstaubwerte um 40 Prozent. Zudem wurden 60.000 oberirdische Parkplätze in grüne Lebensräume umgewandelt – ein Modell, das auch für Kempten Potenzial biete.

„Lebensqualität entsteht nur dort, wo wir Menschen in den Fokus nehmen“, betonte der überparteiliche Oberbürgermeisterkandidat Dominik Tartler in seiner Ansprache. „Wir brauchen den Mut, Maßnahmen neu, kreativ, anders zu denken – etwa durch die Schaffung von Pocket Parks nach Bochumer Vorbild, die Entsiegelung versiegelter Flächen und die Integration autonomer Mobilitätsdienste in den ÖPNV.“ Solche Projekte, so Tartler, stärkten nicht nur das Mikroklima und den Wasserhaushalt, sondern förderten auch den sozialen Zusammenhalt. „Wenn Menschen erleben, wie Straßen lebenswert werden, wenn sie auf Bänken sitzen und ihre Nachbarn treffen, dann findet der Wandel im Denken statt.“

Diehl unterstrich, dass die Voraussetzung für solche Veränderungen gestaltungswillige Verantwortliche in Kommunen und Verkehrsbetrieben seien. Kempten stehe vor der Chance, durch eine konsequente Verkehrswende nicht nur die Umwelt zu entlasten, sondern auch die Aufenthaltsqualität in der Stadt spürbar zu verbessern. Die Grünen Kempten sind überzeugt, „die Zeit zu Handeln, ist jetzt“. 

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